Female Gazes from Georgia – Contemporary Documentaries


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©david meskhi

Von Georgien hat Europa oftmals noch eher vage Vorstellungen, auch wenn das Land zunehmend präsent ist: Georgische Filme und Bücher, Georgien selbst als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2018 oder als touristisches Ziel rücken es stärker in den Blick.

 

Am diesjährigen deutsch-georgischen Freundschaftsjahr beteiligt sich die Heinrich-Böll-Stiftung mit einer Dokumentarfilmreihe von Regisseurinnen aus Georgien. Der dokumentarische Fokus zeigt uns das südkaukasische Land am Rande Europas in klischeefreien Ausschnitten. Die Film- und Diskussionsreihe „Female Gazes from Georgia - Contemporary Documentaries” präsentiert Dokumentationen, die sich dem Alltag in Georgien mit einer eigenen Ästhetik und originellen journalistischen Recherchen erfolgreich nähern.

 

Die Filme reflektieren den Wandel des kaukasischen Landes seit 1989, das auf der Suche nach einem eigenen Platz zwischen Ost und West sein Selbstbild möglichst modern verortet. Interessanterweise sind gerade Filmemacherinnen in Georgien erfolgreich, besonders im Bereich Dokumentarfilm, während international Frauen in der Filmwirtschaft unterrepräsentiert sind.

 

Die Filme touren im Herbst durch fünf verschiedene Städte: Berlin: Kino Arsenal und Wolf, Hamburg: Kino Metropolis, Leipzig: DOK Leipzig, Cottbus: Filmfestival Cottbus und Dresden: MOVE IT! Festival/ Kino Thalia.

 

Begleitend zur Filmreihe thematisieren Publikumsgespräche zu einzelnen Vorführungen und in Kooperation mit DOK Leipzig eine PANELDISKUSSION das Aufeinanderprallen zwei verschiedener Sichtweisen auf den georgischen Film: der sehnsüchtige Blick des westlichen Publikums auf Geschichten osteuropäischer Länder und die zweifelnde Selbstreflexion georgischer Filmemacher/innen. (2.November, 16:30 Uhr- 18:00 Uhr Leipzig, Markt 10, Polnisches Institut)


ALTZANEY  |  GEORGIEN 2009  30MIN, OMEU  |  BEST DOCUMENTARY PRIZE AT LESSINIA FF  |  NINO ORJONIKIDZE  |  VANO ARSENISHVILI 

Die 87 Jahre alte Altzaney ist die Autorität im Pankisi Tal. Sie ist die Einzige, der die lokalen Bewohner vertrauen – sie vertrauen ihr ihre Probleme an, wie auch die Körper der Toten, die zu betrauern sind. Die Menschen im Pankisi Tal sehen in Atzaney eine Mediatorin zwischen zwei Welten. Wie kann eine Frau in einem der patriarchalischsten Orte in Georgien eine derartige Autorität erlangen – in einem Ort, in dem bis heute Tradition mehr gilt als das Gesetz?

Nino Orjonikidze gründete 2008  gemeinsam mit Nano Arsenishvili die Produktionsfirma Artefact Production, seitdem entwickelt, produziert und vermarket sie Dokumentarfilme. Nach ihrem Abschluss an der Goldsmiths, University of London 2004 arbeitete sie  als TV-Journalistin sowohl für große TV-Sender in Georgien als auch für Internationale Projekte. Sie unterrichtet Dokumentar- und experimentellen Film an der GIPA (Georgian Institute of Public Affairs) und arbeitet als Mentorin für die Medienplattform “Chai-Khana” und betreut Kurz-Dokumentarfilmproduktionen im Südkaukasus.

Foto:  Ausschnitte aus dem Film » ALTZANEY  «  Regie: Nino Orjonikidze



THE  THINGS  | GEORGIEN 2016 |  64MIN, HD 16:9, OMEU   |  REGIE: NINO GOGUA   

Im Mittelpunkt stehen die einzigen und letzten DINGE, die georgische Binnenflüchtlinge während des Russisch-Georgischen Krieges 2008 auf der Flucht aus ihren Heimatdörfern in Südossetien retten konnten. Der Film enthüllt über die Beziehungen der Besitzer zu ihren Dingen den Alltag der Flüchtlinge: „Die Dinge“ erzählt die universelle Geschichte einer Fluchterfahrung.

Nino Gogua arbeitete als Journalistin für den Georgische Sender Maestro TV und auch für das Print und Online Medium LIBERALI.

Ihr Debut MADONNA erhielt 2014 auf dem 16. Tbilisi Internationalen Film Festival in Tbilisi besondere Aufmerksamkeit. Der zweite Dokumentarfilm THE THINGS 2017 wurde auf dem Jihlava International Documentary Film Festival prämiert.  Seit September 2017 studiert Nino in Brüssel im Master Programm „Doc Nomads“.

Foto:  Ausschnitte aus dem Film » THE THINGS « Regie: Nino Gogua



MADONNA  |  GEORGIEN 2014 |  58  MIN |  OMEU | REGIE: NINO GOGUA,

Die 57 Jahre alte Madonna ist die einzige Busfahrerin in Georgien. Einst eine bekannte sowjetische Straßenbahnfahrerin, kämpft sie heute gegen die konventionellen Gesetze einer traditionellen Gesellschaft, die ihre Berufstätigkeit als „Männerjob“ wahrnimmt. Sie weigert sich mit dem Fahren aufzuhören und fordert ein, als Frau akzeptiert zu werden.

Nino Gogua arbeitete als Journalistin für den Georgische Sender Maestro TV und auch für das Print und Online Medium LIBERALI.

Ihr Debut MADONNA erhielt 2014 auf dem 16. Tbilisi Internationalen Film Festival in Tbilisi besondere Aufmerksamkeit. Der zweite Dokumentarfilm THE THINGS 2017 wurde auf dem Jihlava International Documentary Film Festival prämiert.  Seit September 2017 studiert Nino in Brüssel im Master Programm „Doc Nomads“.


THE DAZZLING  LIGHT OF SUNSET  |  GEORGIEN/ DEUTSCHLAND 2016  |  74 MIN   |  REGIE: SALOMÉ JASHI

Main Prize in international competition for first feature films - Regard Neuf; Best Feature Film – FICValdivia, Chile, Best Central and Eastern European Film, Astra IFF, Best Central and Easter European Film and Best Debut Documentary, Jihlava IDFF

In mehreren Geschichten rund um einen lokalen TV-Sender zeichnet der Film ein pseudo-ethnografisches Porträt einer kleinen Stadt. Ein Ort, in dem Rituale und Traditionen die Regeln des Alltags bestimmen und zugleich als ferne Reflektion die moderne Welt zunehmend ins Bewusstsein dringt. Wie kann man sich selbst am besten darstellen? Die Vielzahl der Charaktere, Orte und Ereignisse erschaffen ein Mosaik der Kleinstadt, ein Porträt der ganzen Nation, in der Schein mehr gilt als Inhalt.

Salomé Jashi ist eine Dokumentarfilmerin aus Georgien. Nach einigen Jahren Berufserfahrung als Journalistin, studierte Salomé Jashi 2005 Dokumentarfilm an der Royal Holloway, Universität London. In Georgien gründete sie nach ihrer Rückkehr die Produktionsfirma: Sakdoc Film (www.sacdoc.ge). Neben dem Filmemachen wirkte Jashi an Caucadoc mit, ein Projekt, das die Entwicklung der Dokumentarfilmszene im Südkaukasus förderte. Sie unterrichtet in Internationalen Workshops und lebt zwischen Tbilisi und Berlin.

Foto:  Ausschnitte aus dem Film »  THE DAZZLING  LIGHT OF SUNSET  «  Regie: Salome Jashi



THE PIPELINE NEXT DOOR   |  GEORGIEN 2005  |  90 MIN  |  OMEU |  REGIE: NINO KIRTADZE

In Borjomi, einem der schönsten Täler in Georgien, wird der kleine Ort Sakire von Plänen zu einer Erdöl-Pipeline der britischen BP aufgeschreckt, die vom Kaspischen Meer bis zum Mittelmeer gebaut werden soll. Das Bauwerk würde die Landschaft zerstören. Die finanzielle Kompensation ist in Anbetracht undurchsichtiger Eigentumsverhältnisse ein weiteres, komplexes Thema. Die Atmosphäre heizt sich auf und schlägt um in Chaos und einen offenen Konflikt zwischen dem Erdölkonzern und den Vertretern des Dorfes. Wird die Ölleitung die Dorfgemeinschaft endgültig entzweien, oder bietet sie eine überzeugende Perspektive von Reichtum und Wohlstand?

Nino Kirtadze wurde in Tbilisi geborgen und hat einen Abschluss in Literaturwissenschaften. Während der 1990er Jahre berichtete sie aus Krisengebieten im Kaukasus u.a. über den Tschetschenienkrieg für die Nachrichtenagenturen AFP und AP. Seit 1997 lebt sie in Frankreich. Kirtadze ist Mitglied in der französischen Gesellschaft von Autoren und Regisseurinnen La SCAM un der European Film Academy.

Foto:  Ausschnitte aus dem Film »  THE PIPELINE NEXT DOOR «  Regie: Nino Kirtadze



BUBA  |  GEORGIEN 1930, 37MIN, STUMMFILM  |  REGIE:  NOUTSA GOGOBERIDSE

 

In der Hochgebirgsregion Ratscha kämpfen die Menschen seit Jahrhunderten ums Überleben. Kaum ist die karge Ernte eingebracht, steigen die Männer ins Tal und lassen Frauen und Kinder zurück, monatelang der gefährlichen Natur ausgeliefert. Noutsa Gogoberidse überblendet in ihrem Film die patriarchale Ordnung mit Bildern einer strahlenden, sozialistischen Zukunft.


LISTEN  TO THE  SILENCE  |  GEORGIEN 2016  |  90 MIN | OMEU  |  REGIE: MARIAM CHACHIA  |  NEXT MASTERS COMPETITION AWARD DOK LEIPZIG 2016 

In dem Dokumentarfilm Listen to the Silence geht es um eine Schule für gehörlose Kinder in Georgien, in der Aufwachsende wie der kleine Luka eine glückliche Kindheit verleben können. Der Neunjährige träumt davon auf der Bühne zu stehen und zu tanzen als seine Möglichkeit an der großen Welt teilzuhaben. Der Film zeigt uns Luka’s versteckte Welt der Gehörlosen und verleiht seinem Traum eine Stimme.

Mariam Chachia machte 2003 ihren Abschluss an der Georgischen Staatlichen Universität Shot Rustaveli für Theater und Film. Sie arbeitete einige Jahre für Film-  und TV Produktionen, 2012 drehte sie ihren ersten Dokumentarfilm Kirov Street 8.  In 2014 gründete sie die Organisation OpyoDoc, die Projekte für sozialen Wandel anstrebt. LISTEN TO THE SILENCE ist die erste Produktion von OpyoDoc, der Film wurde auf dem DOK Leipzig 2016  in der The Next Masters Competition ausgezeichnet.



WHEN THE EARTH SEEMS TO BE LIGHT   |  GEORGIEN, 2015  |  76 MIN, OMEU  | SALOME MACHAIDZE | DAVIT MESKHI  | TAMUNA KARUMIDZE

Der Film erzählt die Geschichte von jungen Skatern und Musikern, die sich in der widersprüchlichen Realität eines post-sowjetischen Landes verlieren – ein Land, in dem man an der Macht der Kirche und der Politik zerbrechen kann. Ein dichter Blick in die Welt von Jugendlichen, die sich auf der Suche nach Freiheit und Romantik befinden.

Salome Machaidze is a Georgian artist and filmmaker based in Berlin.  David Meskhi is a photographer from Georgia; he lives in Germany.  Tamuna Karumidze, visual artist and documentary filmmaker, is a founding member of Goslab, a multimedia collective of Georgian artists.


ON THE MOVE   |   GEORGIEN 2013, 50MIN, OMEU  |  REGIE: TSIRA GVASALIA  

Der Film schildert den vermeintlich gelassenen und passiven Alltag von Bewohner/innen im Altenheim, der jedoch auf den zweiten Blick von intensiven Leidenschaften und zahlreichen Interessen geprägt ist. Die Bewohner haben noch Träume und klammern sich an die letzten Lieben ihres Lebens, im Bewusstsein, dass ihnen nicht mehr viel Zeit verbleibt.

Tsira Gvasalia lebt in Tbilisi, 1983 in Georgien geboren, drehte Tsira Gvasalia ihren ersten Dokumentarfilm 2009, nach ihrem Master Abschluss in Journalismus. „I’ll tell you after I die“ (2009, 17min) folgt drei Totengräbern und zeigt ihre alltägliche Arbeit, wie auch deren komische Momente.

Ihr letzter Film „On the move“ wurde in Tbilissi produziert mit Unterstützung des Georgischen Nationalen Film Centers und der Open Society Georgia Foundation.

Tsira Gvasalia co-produzierte auch den Film “Miner”, in Co-production mit Inthemood, French Production Company.

Foto:  Ausschnitte aus dem Film » ON THE MOVE  « Regie: Tsira Gvasalia



THE LIBRARY   |  BIBLIOTEKA  |  GEORGIEN/LITAUEN 2014, 54MIN, OMEU | REGIE: ANA TSIMINTIA

Der einzige Schauplatz des Films ist eine öffentliche Bibliothek in der georgischen Provinz, ein paradoxer Ort mit wenigen Lesern und vielen Bibliothekarinnen: Seit nunmehr 20 Jahren verbringen die 25 Frauen ihren „Arbeitstag“ in den leeren Räumen des Gebäudes mit Tratschen, Stricken, Schmökern und kleinen Streitigkeiten - bei geringem Lohn für eine Kleinstadt, die nicht liest. Und doch ist die Bibliothek, Überbleibsel sowjetischer Tristesse, ein Zufluchtsort für die einsamen Frauen.

Ana Tsimintia wurde 1986 in Tbilisi, Georgien geborgen. Sie hat einen Master in Filmkunst von der Baltic Film and Media School in Tallin, Estland. Seit ihrem Studium war Ana in verschieden Produktionen von Kurzfilmen und Dokumentarfilmen involviert.  2011 gründete sie die Produktionsfirma „Matchhouse film“.


LEIPZIG:    FESTIVAL KOOPERATION  DOK  LEIPZIG,    30.  OKTOBER  -  05.  NOVEMBER   2017     |     COTTBUS:    KOOPERATION FILMFESTIVAL    COTTBUS   08. NOVEMBER 2017