GEORGIEN – AUFARBEITUNG  DER SOWJETGESCHICHTE

Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Diskussionen,  Ausstellungen und Filmvorführungen in Deutschland.

 

SOVIET PAST RESEARCH LABORATORY




2018 ist Georgien Gastland auf der Frankfurter Buchmesse.  Aus diesem Anlass führt die georgische Organisation  Soviet Past Research Laboratory (SOVLAB)   eine Veranstaltungsreihe zur Aufarbeitung der sowjetischen  Geschichte Georgiens in verschiedenen  Bereichen des gesellschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen

Lebens durch. Das Projekt wird gefördert vom Georgian  National Book Center und dem georgischen Ministerium für Kultur  und Sport. 

 

Was sind die zentralen Fragen, die die georgische Gesellschaft im  Hinblick auf ihre sowjetische Vergangenheit beschäftigt? Wie will  man mit dem historischen Erbe umgehen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt von insgesamt 16 Vorträgen, Diskussionen, Gesprächen,  Ausstellungen und Filmvorführungen, die mit prominenten  georgischen Akademikern, Forschern oder Literatur- und  Filmkritikern in verschiedenen Städten (darunter Berlin, Hamburg,  Leipzig, München, Jena, Stuttgart, Frankfurt, Bonn) und Partnerinstitutionen von März bis Oktober 2018 stattfinden und mit einer  Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse enden.

 

Sovlab - Soviet Past Research Laboratory wurde  2010 von georgischen Historikern, Forschern, Journalisten  und Zivilaktivisten als eine Nichtregierungsorganisation

gegründet und zielt auf die Förderung  der Forschung sowjetischer totalitärer Vergangenheit,  die Aufarbeitung der politischen, rechtlichen  und moralischen Verantwortung des sowjetischen  Erbe. Die Organisation möchte einen offenen Denkund  Gesprächsraum schaffen mit dem Zwecke demokratischer  Entwicklung. Hierfür führt Sovlab Forschungs-  und Bildungsprogramme durch.

www.sovlab.ge  |   www.german-georgian.archive.ge  |  info@sovlab.ge



ZWISCHEN ZWANG UND FREIHEIT  |  POESIE UND REALISMUS IM GEORGISCHEN FILM

Prof. Dr. Giorgi Gvakharia   Staatliche Ilia Universität, Filmhistoriker   |  Adresse:  Zentrum für Literatur- und Kulturforschung  Schützenstraße 18  | 10117  Berlin

Georgisch mit deutscher Übersetzung

Georgien hat eine außergewöhnlich lebendige Filmszene und brachte bereits viele innovative Filmkünstler hervor. In den 1920er Jahren drehten Georgier wegweisende Stummfilme, die unter dem Einfluss der Avantgarde standen. Unter der Doktrin des Sozialistischen Realismus lieferte der georgische Film in den 1930er und 1940er Jahren systemkonforme Monumentalfilme und Stalin-Elogen, seine Blüte erlebte er jedoch in den 1950er und 1960er Jahren. Der typische lyrische Grundton ist nicht nur dem Druck der Zensur geschuldet, sondern auch Ausdruck einer besonderen Mentalität. Nach der Unabhängigkeit Georgiens geriet der georgische Film in eine Sinnkrise. In jüngster Zeit sind es vor allem Regisseurinnen, die den Film neu erfinden.

Giorgi Gvakharia ist Professor für Filmgeschichte und -theorie an der Staatlichen Ilia Universität Tbilissi. Außerdem ist er als Kunstkritiker, Journalist, Blogger sowie TV- und Radiomoderator tätig.  Gvakharia unterrichtet seit 1986 Geschichte und Theorie des Films. 1995 begann er als Korrespondent für Radio Liberty zu arbeiten, seit 2007 moderiert er dort die tägliche Sendung One Hour of Freedom. Zudem läuft seine wöchentliche Sendung The Red Zone aktuell im georgischen Fernsehen. Er ist Jurymitglied bei den internationalen Filmfestivals in Nyon (Schweiz) und Oberhausen.

www.zfl-berlin.org



DER KAUKASUS UND GEORGIEN IM KONTEXT  |  DER IMPERIEN WÄHREND DES 1. WELTKRIEGS  UND DANACH

Prof. Dr. Lasha Bakradze  Direktor des Literaturmuseums Tbilisi

Adresse:  Zentrum für Literatur- und Kulturforschung   |  Schützenstraße 18  |  10117 Berlin

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der Kaukasus zum Kreuzungsort der Interessen verschiedener Imperien (Russland, Osmanenreich, Kaiserreich, Großbritannien). Die Völker des Kaukasus, darunter auch die georgische Gesellschaft, verstanden dies als Herausforderung und versuchten, ihr eigenes nationales Projekt der aktuellen Lage anzupassen. Der Erste Weltkrieg hat die damals bestehende Weltordnung nachhaltig verändert: Ein Teil der Imperien ging zugrunde, ein anderer hat sich transformiert. In der neuen Welt wurde die Frage aktuell, welche Positionen die kaukasischen Staaten und Völker in diesen Konfliktzonen einnehmen können. Der Vortrag ist ein Versuch, diese Thematik mit Blick auf die heutige Situation im Kaukasus zu analysieren.

Lascha Bakradze ist Professor für Geschichte der Sowjetunion an der Staatlichen Ilia Universität Tbilissi. Außerdem ist er Direktor des Staatlichen Georgischen Literaturmuseums Giorgi Leonidze und einer der Gründer des Soviet Past Research Laboratory (SOVLAB).

www.zfl-berlin.org 



NATION UND NATIONALES SELBSTBEWUSSTSEIN IN DER SOWJETISCHEN ZEIT

Prof. Dr. Giorgi Maisuradze  Leiter des Instituts für Sozial- und Kulturforschung  an der Staatlichen Ilia Universität

Adresse: Goethe-Universität Frankfurt  |  IG. 135, Theodor- W.-Adorno Platz 1   |  60323 Frankfurt am Main

Veranstalter: Georgian National Book Center, SOVLAB, Goethe-Universität Frankfurt  |  Moderator: Prof. M. Dobbins

 Nach der Sowjetisierung Georgiens 1921 begann die Neukonstituierung der bereits bestehenden georgischen Nation unter den Rahmenbedingungen der sowjetischen Nationalitätenpolitik. Diese Bedingungen wurden von Stalin als „National in der Form und sozialistisch im Inhalt“ bestimmt. Die georgischen Schriftsteller und Künstler, aber auch die Historiker und Philologen nützten diese Gelegenheit, um die neue nationale Narrative zu entwerfen, in den die bereits vorhandenen umkodiert wurden. Dadurch wurde das nationale Selbstbewusstsein weiter gestärkt, das nicht zuletzt dem affektiven Nationalismus der postsowjetischen Zeit den Weg bereitete.

www.georgia-characters.com

 



SOWJETISCHE TAKTIKEN DES ALLTAGS UND RELIGIÖSES ERWACHEN IN GEORGIEN HEUTE

Prof. Dr. Ketevan Gurchiani  Staatliche Ilia Universität

Adresse: Ludwig-Maximilians-Universität München,   Historicum  Amalienstraße 52, Raum K 201  80539 München

Veranstalter:  Georgian National Book Center, SOVLAB, Graduiertenschule für Ost- und Südeuropastudien

Ketevan Gurchiani schaut in ihrem Vortrag auf einige Aspekte der alltäglichen Religiosität mit dem genealogischen Ansatz. Die Feldforschung wurde in Georgien als "Multi-Sited" Ethnographie durchgeführt. Der darauffolgende Vortrag (und Artikel) analysiert den Gebrauch der alltäglichen Taktiken in den informellen Verhandlungen zwischen Priestern und Gläubigen. Die Autorin betrachtet die Verhandlungen, die in der häuslichen Religiosität und in den verkörperten Praktiken vorherrschen, als Fortsetzung der sowjetischen alltäglichen Taktik, insbesondere der informellen Netzwerke (Blat) und “la perruque” (Khaltura). Um zu verstehen, wie Verhandlungen zu mehr Kontrolle und der erhöhten Religiosität führen, untersucht die Autorin wichtige Merkmale der georgischen Orthodoxen Kirche, wie sie in ihrer Spezifität und Lokalität entstanden. Ketevan Gurchiani kommt zu dem Schluss, dass Taktiken in diesem spezifischen Kontext die Stärkeren stärken und mehr Abhängigkeit reproduzieren.

www.georgia-characters.com 



STALIN UND GEORGIEN – GESTERN UND HEUTE

Prof. Dr. Giorgi Maisuradze  Leiter des Instituts für Sozial- und  Kulturforschung an der Staatlichen  Ilia Universität

Adresse: Bundesstiftung Aufarbeitung   Veranstaltungssaal, Kronenstraße 5  10117 Berlin

Veranstalter:  SOVLAB Tbilisi  |  Georgian National Book Center | Lehrstuhl Geschichte Osteuropas an der HU Berlin  |  Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Die Tatsache, dass Stalin Georgier war, nützte die Sowjetrepublik Georgien aus, um ihre symbolische Sonderstellung in der „Familie der sowjetischen Brüdervölker“ zu inszenieren: Stalin als „Vater der Völker“ war ein Sohn Georgiens. Stalin wurde zum georgischen Nationalheld stilisiert, wobei die „Größe“ Stalins auf sein Heimatland übertragen wurde. Dadurch entstand ein georgischer Stalinkult, der auch nach dem Tod des Diktators im Jahr 1953 und der ab 1956 einsetzenden Entstalinisierung fortwirkte. 

Prof. Dr. Giorgi Maisuradze wird in seinem Vortrag die Besonderheiten des georgischen Stalinkultes und dessen Fortwirken bis in die Gegenwart beschreiben. Maisuradze ist Leiter des Instituts für Sozial-. Und Kulturforschung an der staatlichen Ilia Universität Tbilisi. Er studierte Geschichte, Philosophie und Kulturwissenschaften an der Universität Tbilisi, der Universität des Saarlandes sowie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2008 bis 2013 war er am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin tätig. Seit 2014 ist er Professor der Ilia Universität Tbilisi. Maisuradze ist Autor mehrerer Publikationen. Zuletzt erschienen: Sonniges Georgien. Figuren des Nationalen im Sowjetimperium (zusammen mit Franziska Thun-Hohenstein), Berlin 2015.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de



SOWJETISCHE TAKTIKEN DES ALLTAGS UND  RELIGIÖSES ERWACHEN IN GEORGIEN HEUTE

Prof. Dr. Ketevan Gurchiani  Staatliche Ilia Universität

Adresse: Friedrich-Schiller Universität Jena,   Seminarraum der Kaukasiologie,  Jenergasse 8 (Acchouchierhaus) / 1. Etage;  07743 Jena

Veranstalter:  Georgian National Book Center,  SOVLAB,  Friedrich-Schiller Universität Jena



 EMANZIPATION IM SÜDKAUKASUS  |  AUF DEN SPUREN GEORGISCHER FRAUEN

Nino Lejava  Leiterin des südkaukasischen   Regionalbüros der Heinrich Böll Stiftung  |  Irakli Khvadagiani / Soviet Past Research Laboratory  |  Mariam Topchishvili / Leiterin „Young feminist  Initiative“, Gori  |  Dr. Heike Pfitzner / filia. die frauenstiftung

Adresse: Bücherhallen Hamburg / Zentralbibliothek   Hühnerposten 1 Haupteingang, 20097 Hamburg

Ausstellung „50 Frauen aus Georgien“ (2-28.06.2018)   |  ProjektParty 2018, filia. die frauenstiftung

Veranstalter:  Georgian National Book Center, SOVLAB, Filia.de Frauenstiftung, HBS Tiflis, Zentrale Bücherhalle Hamburg, Landeszentrale für politische Bildung.

Die Geschichte des georgischen Feminismus ist kompliziert und voll von Wiedersprüchen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts, wenn im Westen neue soziale und Bildungsbewegungen aktiv wurden, gab es auch in Georgien Menschen, die die Idee der Vervielfältigung der Frauenrolle und ihrer Funktion in der Gesellschaft unterstützten. Im 20. Jahrhundert haben die  politische Kataklysmen diese natürliche Entwicklung unterbrochen. Im Staat des „Sieges vom Sozialismus“ gab es keinen Feminismus. Der totalitäre Staat aber, der formell den Frauen die gleichen Rechte zuwies wie den Männern, war zutiefst patriarchal. Trotzdem gab es zahlreiche Frauen in Georgien, die Neues schufen, Entdeckungen machten, für Veränderungen kämpfen und das Neue nicht scheuten. Sie wussten damals nicht, welche Bedeutung ihre Anstrengungen für die Zukunft haben würden.

www.georgia-characters.com 



STALINS VOLK.  NATIONALE IDENTITÄT IN GEORGIEN

David Jishkariani  Soviet Past Research Laboratory  Sprache: Englisch   

Adresse:  Bundesstiftung Aufarbeitung   Veranstaltungssaal, Kronenstraße 5,  10117 Berlin

Veranstalter:  SOVLAB Tbilisi  |  Georgian National Book Center | Lehrstuhl Geschichte Osteuropas an der HU Berlin  |  Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Die Kritiker und Gegner der sowjetischen Herrschaft in Georgien warfen Moskau vor, das Land seiner nationalen Identität beraubt zu haben. Diese Rhetorik hielt auch nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1991 an und ist in Georgien weithin verbreitet. Der Historiker Davit Jischkariani hinterfragt diese Perspektive. Tatsächlich wurden die zentralen Linien der Politik in Georgien bis 1991 im Moskauer Zentrum geplant. So wie für alle anderen Sowjetrepubliken auch. Allerdings waren es lokale Eliten, die die Moskauer Politik in der Peripherie ausführten und dabei nach Stalins Tod wachsende Handlungsspielräume ausnutzten. 

Der Historiker Davit Jischkariani ist Mitbegründer von SOVLAB, dem Soviet Past Research Laboratory in Tbilisi. Er studierte dort von 2004 bis 2008 Geschichte an der staatlichen Iv. Javakhischwili Universität Tbilisi. Zwischen 2010 und 2012 absolvierte er ein Magisterstudium in Russlandkunde. 2013/2014 war Jischkariani Junior Research Fellow am Zentrum für Russland- und Osteuropakunde der Universität Warsaw. Im Moment unterrichtet er „Totalitäre Regimes des 20. Jahrhunderts” an der kaukasischen Universität. Seine Forschungsfelder umfassen: Repressionen in der Sowjetunion, Stalinismus, sowjetische Nationalpolitik.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de 



EUROPÄISCHE IDEE IN GEORGIEN ENDE DES 19. UND ANFANG DES  20. JAHRHUNDERTS – GEORGISCHES “NATIONALPROJEKT” ALS  EXPERIMENT IN EINER EUROPÄISCHEN PERIPHERIE

Irakli Khvadagiani  Soviet Past Research Laboratory  Sprache: Englisch 

Adresse: Friedrich-Schiller Universität Jena,   Seminarraum der Kaukasiologie, Jenergasse 8  (Acchouchierhaus) / 1. Etage;  07743 Jena




ANFANG DER 60-ER JAHRE:  JAZZ ZWISCHEN PROPAGANDA UND FREIHEIT

Marika Lapauri-Burk  Musikerin, Autorin, Vorsitzerin des Lile e.V.  Dokumentarfilm: Das war ein Traum  (Regisseur Levan Kitia, 39 Min. 2014, Georgien)

Metropolis Kino  Kleine Theaterstrasse 10   20354 Hamburg



DIE AUFARBEITUNG SOWJETISCHER  VERGANGENHEIT IN GEORGIEN  AUF PRIVATER UND STAATLICHER EBENE

Irakli Khvadagiani   Soviet Past Research Laboratory   Sprache: Englisch

Bundeszentrale für politische Bildung / bpb   Adenauerallee 86, 53113 Bonn



ZWANGSMIGRATIONEN IN DER SOWJETUNION  IN DEN 40-ERN. DEPORTATIONEN DER  KAUKASUSDEUTSCHEN

David Jishkariani  Soviet Past Research Laboratory   Sprache: Englisch

Adresse:  Institut für Auslandsbeziehungen  Weltraum des ifa / Charlottenplatz 17,   70173 Stuttgart



ZWISCHEN ZWANG UND FREIHEIT  |  POESIE UND REALISMUS IM GEORGISCHEN FILM

Prof. Dr. Giorgi Gvakharia   Staatliche Ilia Universität, Filmhistoriker   |  Adresse:   Deutsches Filminstitut / Deutsches Filmmuseum

Schaumainkai 41  60596 Frankfurt am Main

Giorgi Gvakharia ist Professor für Filmgeschichte und -theorie an der Staatlichen Ilia Universität Tbilissi. Außerdem ist er als Kunstkritiker, Journalist, Blogger sowie TV- und Radiomoderator tätig.  Gvakharia unterrichtet seit 1986 Geschichte und Theorie des Films. 1995 begann er als Korrespondent für Radio Liberty zu arbeiten, seit 2007 moderiert er dort die tägliche Sendung One Hour of Freedom. Zudem läuft seine wöchentliche Sendung The Red Zone aktuell im georgischen Fernsehen. Er ist Jurymitglied bei den internationalen Filmfestivals in Nyon (Schweiz) und Oberhausen.

 



DEUTSCH-GEORGISCHES GADÄCHTNISARCHIV 

Anna Margvelashvili und Tamuna Gurchiani  | Soviet Past Research Laboratory  Adresse:  Frankfurter Buchmesse 2018  | Nationalstand  60327 Frankfurt am Main