Die Bauinschrift an der Sioni-Kirche von Bolnisi
Die Bauinschrift an der Sioni-Kirche von Bolnisi

Die Bauinschrift an der Sioni-Kirche von Bolnisi, die in die Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. zu datieren ist, und Iakob Zurtawelis Hagiographie "Das Martyrium der heiligen Schuschaniki", die zwischen 475 und 484 entstand, weisen der georgischen Literatur ein Alter von über 1500 Jahren zu.

Aber archaische Inschriften vorchristlichen Inhalts aus Nekresi und Rustawi, die vom 4. Jh. v. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. datiert werden, belegen, daß die georgische Alphabetschrift schon früher bestanden hat und die altgeorgische Überlieferung, demzufolge die georgische Schrift von den heidnischen Priestern entwickelt worden sei oder König Parnawas (4.-3. Jh. v. Chr.) die georgische Schrift geschaffen bzw. "verbessert" habe, immer stärkere Wahrscheinlichkeit und Glaubwürdigkeit gewinnt. Die georgische Literatur besitzt offenbar eine viel größere Zeittiefe, als bisher angenommen wurde.

Die in jüngster Zeit gefundenen Inschriften von Nekresi, die in die letzten Jahrhunderte vor Christi Geburt zurückreichen, haben die Vorstellungen vom Alter des georgischen Schrifttums bestätigt. Daß diese Literatur trotz ihres hohen Alters und der geringen Zahl der Georgier lebendig ist und sich großer Beliebtheit erfreut, verdankt sie auch ihrer künstlerischen Reife. Im Verlauf ihrer Entwicklung hat sie immer wieder glanzvolle Höhepunkte und in Schriftstellern wie Iakob Zurtaweli, Ioane Sabanisdse, Giorgi Mertschule, Schota Rustweli, Sulchan-Saba Orbeliani, Dawit Guramischwili, Nikolos Barataschwili, Aleksandre Qasbegi, Washa-Pschawela, Niko Lortkipanidse, Micheil Dshawachischwili, Leo Kiatscheli und Galaktion Tabidse weltliterarischen Rang erreicht. Die zehn Schriftsteller dieser Auswahl repräsentieren einen Teil der Gegenwartsliteratur. Das besondere nationale Gepräge kommt in ihren Erzählungen zwar auf unterschiedliche Weise, aber doch allenthalben zum Ausdruck.

Um so beeindruckender ist es, daß sich diese Literatur über die Jahrtausende bis in unsere Zeit behauptet hat. In die erregende Gegenwart der georgischen Literatur sollen die hier vorgelegten Übersetzungen  einen kleinen Einblick geben. 

Die erste Druckerei, die auf georgisch druckte, wurde in den Zwanzigerjahren des 17. Jahrhunderts in Italien eingerichtet; die erste in Georgien entstand 1709 in Tiflis.

In Georgien wird schon seit über fünfzehn Jahrhunderten Literatur verfasst, aber die besten, auch weltweit bekannten georgischen literarischen Werke sind der Dichtkunst zuzurechnen. Im 20. Jahrhundert befassten sich die russische Dichter wie Ossip Mandelstam, Boris Pasternak, Josef Brodsky und andere mit der Übersetzung georgischer Poesie.

In der sowjetischen Zeit war die modernistische Kunst praktisch verboten und auch in Georgien streng unterdrückt, und Dichter, die dem sozialistischen Realismus sehr fern standen, hatten keine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden diese Dichter neu entdeckt.

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