Goldschmiedehnst und Toreutik nehmen im reichen Kunsterbe Altgeorgiens einen besonderen Platz ein. Ihre Herausbildung begann im 4. bis 3. Jahrtausend v.Chr., als die Metallgewinnung und -bearbeitung in Georgien ihren Anfang nahm.

Die Entwicklung beider Bereiche war durchaus wechselhaft und bietet den Spiegel des historischen Geschicks des Volkes, das sie geschaffen hat.

Die Lage Georgiens an der Grenze von Orient und Okzident bestimmte seine wichtige strategische Rolle zwischen Asien und Europa. Seine reichen Boden-schätze und die üppige Natur lenkten seit jeher das Augenmerk anderer Länder auf sich, deren ökonomische und politische Interessen auf georgischem Gebiet oftmals 


aufehinanderstießen.  Die stürmische Entwicklungsgeschichte Georgiens verlief nicht spurlos, so daß das Land heute mit einer großen Anzahl von Ruinen einstmals prächtiger Festungen, Tempel und Schlösser bedeckt ist. Die hohe kulturelle Entwicklung spiegelt sich in den Werken des Schrifttums, der Philosophie, Literatur, Malerei und Skulptur, die in großer Fülle in den Museen und Forschungsinstitutionen der Georgiens aufbewahrt werden.

Die Zahl dieser Kunstdenkmäler ist dank den intensiven archäologischen Forschungen im ständigen Anwachsen begriffen. Sie liefern die Möglichkeit, den Beitrag Altgeorgiens zum Kulturschatz im Weltmaßstab zu bewerten, und das beste Anschauungsmaterial dafür sind die Denkmäler der Goldschmiedekunst und Toreutik. Wie archäologische Funde beweisen, befand sich in Georgien eine der ältesten Entstehungsstätten der Metallverarbeitung, und die hohen Eigenschaften der Edelmetalle Gold und Silber wurden hier bereits im 3. Jahrtausend v.Chr. (frühe Bronzezeit) geschätzt. Zu Beginn des 3. Jahrtausends v.Chr. war die Technologie der Metallgewinnung und -Bearbeitung bereits derart entwickelt und vervollkommnet, daß verschiedene Bronzelegierungen eingesetzt wurden und so komplizierte Techniken wie Wachsmodellguß, Löten, Kalt- und Warmschmieden, Ziselieren und das Herstellen von Draht und Folie Verwendung fanden.


Diese   Techniken wurden auch Bei der Herstellung von Kunsterzeugnisse Aus Gold und Silber angewandt,   wobei letztere  oft die Formen von bronzegegenständen  wiederholen. Dies  zeugt  von einer  engen Beziehung zwischen der örtlichen Bronzemetallurgie  und der Goldschmiedekunst. So wurden zum Beispiel in den Hügelgräben  von Trialeti und Bedeni (Sudgeorgien), die in die zweite Hälfte des 3.  Jahrtausend v. Chr.  Gehören, Goldnadeln mit  zwei symmetrischen Spiralköpfen gefunden.  Die Bedeni-Nadel  ist  in komplizierter Ziseliertechnik  Bearbeitet,  wobei  eine ihrer Kopfflächen mit einem feinreliefierte Mäandermuster verziert ist, die andere Kopffläche trägt Zwei Reihen von  Reliefkreisen in Linienumrahmung. 

Außer Schmuck  stellten die  Goldschmiede jener Zeit aber auch Kultgegenstände und Machtinsignien aus Gold und Silber her.

Das  wohl schönste    Erzeugnis  der  Goldschmiedekunst aus der frühen  Bronzezeit  ist   ein kleines Löwenfigur, das einst den Bestattungswagen  eines Stammeshäuptlings schmückte,  dessen Hügelgrab im Alasani-Tal freigelegt wurde.


Das nur 4 cm. Zentimeter lange, nach einem Waschmodell gegossene Figürchen zeigt verallgemeinert behandelte Formel, die typisch für die Monumentalskulptur sind.

Die Funde aus den Hügelgräbern von Trialeti frappieren durch ihre Fülle, Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit und unterstreichen das mittlerweile sehr höhere Niveau der Goldschmiedekunst. Es werden Fast alle in der Juwelierkunst verwendeten  Techniken eingesetzt.