In Georgien gab es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts keine Tradition in der Porträt- und Landschaftsmalerei, erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die georgische Kunstmalerei. Einer der ersten bekannten georgischen Maler war Niko Pirosmanischwili (1862-1918), der seine Werke als Pirosmani signierte.

Pirosmani (Nikolos Pirosmanischwili) wurde 1862 oder 1863 in Ostgeorgien, in Kacheti geboren.  Pirosmanis genaues Geburtsdatum ist unbekannt. Er war das jüngste von drei Kindern einer Bauernfamilie.  Entdeckt wurde er 1912 vom russischen Dichter Paustowski, der in einer der Tavernen ein Bild des Malers sah. 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen die ersten Realisten auf der Bildfläche. Sie hatten ihre Ausbildung an der Petersburger Akademie der Künste, in Moskau oder in Westeuropa erhalten. In ihren Motiven und Techniken knüpften sie an die dort gewonnenen Erfahrungen an.

Die Staatliche Akademie der Künste Tbilisi, (georgisch თბილისის სახელმწიფო სამხატვრო აკადემია) ist eine der ältesten Universitäten in Georgien. 

Die am 8. März 1922 vollzogene Gründung der Akademie der Künste Georgiens basierte auf dem Beschluss des Volkskommissariats für Bildung. In dieser Frühzeit wurden vier Fakultäten begründet: Malerei, Bildhauerei, Graphik und Architektur, 1927 noch ergänzt um die Fakultät Kunstkeramik.

Als Vorbereitung auf das Hochschulstudium war die ebenfalls 1922 eröffnete private Kunstschule des georgischen Künstlers Mose Toidze gedacht. Die Kunstakademie bildete sofort das Zentrum der georgischen Kunstszene, eine Vielzahl renommierter Künstler wurde als Lehrpersonal beschäftigt. Die ersten Professoren waren: Gigo Gabashvili, Iakob Nikoladse, Jewgeni Lansere, Joseph Sharlemagne, Henryk Hryniewski, Egishe Tatevosyan, Nikolay Sklifosovskiy, Nicholas Antadze, Anatoli Kalgin, Nikolay Severove, Dimitri Shevardnadze, Michael Machavariani, Alexander Pitskhelauri, Michael Khananashvili, Boris Shebuev, Mose Toidze, Alexander Tsimakuridze, Nicholas Kandelaki, Valerian Sidamon-Eristavi, David Kakabadze, Lado Gudiaschwili, Giorgi Sesiashvili, Ucha Japaridze, Shalva Amiranashvili, Apolon Kutateladze, Valentin Shukhaev, Sergo Kobuladze, Silovan Kakabadze, Shota Mikatadze, David Tsitsishvili, Zakro Maisuradze, Lado Grigolia. Später schlossen sich dieser Gruppe auch andere berühmte Vertreter der georgischen Kunstszene an.

Die „Kunstgalerie der Akademie“ – die Sammlung besteht gegenwärtig (2010) aus 618 Bildern (Kurs- und Diplomarbeiten). Darunter befinden sich auch Werke von Gigo Gabashvili, Elene Akhvlediani, Ludwig Luigi Longo, Kirill Zdanevich, Tamara Balanchivadze, Mose Toidze, Aleksander Tsimakuridze, Korneli Sanadze, Reno Turkia, Koki Makharadze u.a.

Die Staatliche Akademie der Künste Tbilisi befindet sich seit 1922 im ehemaligen Stadtpalais der Arshakuni-Familie. Das Hauptgebäude wurde bereits 1856 vom Architekten G. Ivanov entworfen. Die Mehrzahl der Säle und Innenräume wurde von einem in Tiflis arbeitenden iranischen Baumeister im Qajar-Baustil ausgestaltet. Im Gebäudekomplex befand sich bis 1937 auch ein Spiegelsaal, er diente als Ballettstudio von Maria Perini. Diese Tänzerin war die Gattin des Künstlers Henryk Hryniewski, der ebenfalls ein Studio im Haus hatte. Das Atelier des Akademieprofessors Gigo Gabashvili, die Wohnung der Familie Kobulashvili und weitere Räumlichkeiten verteilten sich über die Geschosse des Hauses.

Im Jahr 1972 entstand hinter dem alten Hauptgebäude ein neues, zehnstöckiges Haus als Erweiterungsbau (Architekten: A. Kurdiani, M. Chkhikvadze, L. Sumbadze, D. Kajaia).  

Schalwa Kikodze (1894–1921) war ein georgischer Maler, Grafiker und Theaterdekorateur, der für seine Individualität, einzigartige Malerei, Stil und Technik hervorragt. Gemeinsam mit anderen berühmten georgischen Malern Lado Gudiashvili und David Kakabadze gilt Schalwa Kikodze als Schlüsselfigur der georgischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. 


Schalva Kikodze
Schalva Kikodze

Schalwa Kikodze wurde 1894 in einem georgischen Dorf Bakhvi, Guria geboren. In dem Alter als er zu sprechen anfing, fing er auch zu zeichnen.Wegen Verletzung an seiner rechten Hand musste Schalwa während seines ganzen Lebens mit linker Hand zeichnen. 

1914-1916 studierte er Recht an der Universität in Moskau; 1916 -1918 an der Moskauer Schule für Malerei, Skulptur und Architektur.

Zwischen 1918 und 1920 lebte Kikodze in Georgien, wo er als Theaterdekorateur für das Jabadari Theater in Tbilisi arbeitete. Er arbeitete weiterhin mit den Zeitschriften zusammen. Seine Karikaturen wurden in den satirisch-humoristischen Zeitschriften „Lachti “, "Eshmakis Matrakhi" (Teufelspeitsche), auch in Theaterzeitschriften „Theater und Leben“, „Theater und Musik“, in der russischen Zeitschrift „Art“ veröffentlicht. Abgesehen von der Erstellung von Illustrationen und Cartoons, schrieb er auch perfekte Kritiken zu Theateraufführungen.

1920 zieht er mit anderen talentierten Künstlern nach Paris um weiter zu studieren wo er 1921 an der jährlichen Ausstellung der Gesellschaft für unabhängige Künstler teilnimmt. Die Kunstwerke von Kikodze und damals in Paris lebenden georgischen Malern Lado Gudiaschvili und David Kakabadze, wurden in renommierten Galerien – Galerie „La licorne“ und „Salon der Unabhängigen“ in Paris ausgestellt. 

1921 erkranke Kikodze an Tuberkulose und fuhr nach Deutschland um sich von der Krankheit zu heilen. Er starb im Alter von 27 Jahren am 7. November 1921 in Freiburg.

Die meisten seiner Werke sind im Museum der Künste in Tbilissi zu sehen. In Staatlicher Theatermuseum in Moskau wird der Vorhang des Moskauer Kabaretts „Fledermaus“ beherbergt, dass von Schalwa Kokidze bemalt wurde.

Ilya Zdanevič, Iliazd (1894 in Tiflis, † 1975 in Paris), einer der innovativsten Typographen des 20. Jahrhunderts, gilt in der Kunstgeschichte als „Pate“, Designer und Verleger illustrierter Bücher der Protagonisten der Pariser Schule, wie Georges Braque, Max Ernst, Alberto Giacometti, Joan Miró und Pablo Picasso.

Unter dem Namen seiner Tifliser Künstlergruppe 41°, in Frankreich Le Degré Quarante et Un, gab Iliazd , eine Reihe von Künstlerbüchern heraus, die heute bei Auktionen regelmäßig Spitzenpreise erzielen. Alle Bücher haben nur geringe Auflagen, etwa zwischen 40 und 60 Stück, und sind teils von den Künstlern handsigniert. Design und Typographie stammen immer von Iliazd, Autoren sind Maler und Dichter der Pariser Kunstszene, Pariser Dadaisten, Symbolisten und damals noch wenig bekannte Künstler als auch Stars der Klassischen Moderne. Die Bücher entstanden in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern und Dichtern, die sich alle den strengen Vorstellungen des Verlegers und Typographen anpassten. Iliazd suchte sorgfältig die Materialien der Bücher aus: altes Japanpapier, Chinapapier, Pergament, französisches Büttenpapier (Velin Arches), Papier aus den alten Papiermühlen der Auvergne, antikes Papier aus dem 18. Jahrhundert etc.

Zdanevič war in einer Vielzahl von Gebieten aktiv. Er war einer der Begründer des russischen Futurismus und gehörte zum Kreis der französischen Dadaisten und Symbolisten. Schrieb Kunstkritiken, beschäftigte sich mit der Architektur georgischer Kirchen, experimentierte mit der Kunstsprache Zaum; Anfang 30er Jahre arbeitete Zdanevič eng mit Coco Chanel. Als Direktor einer der Fabriken der Firma "Stoffe Chanel" sorgte er für technologische Verbesserungen und als Textildesigner entwickelte er zahlreiche ornamentale Motive für diese Stoffe.

Ilya und sein Bruder Kiril entdeckten den Maler Niko Pirosmani, sammelten seine Bilder und organisierten im Hause ihrer Eltern eine Gesamtschau der Werke Pirosmanis.

Seit dem Tod Iliazds wurde sein Nachlass der Französischen Nationalbibliothek in Paris übergeben.

Die Werke von Iliazd sind in Paris in Centre Pompidou und in französischer Nationalbibliothek zu sehen. Ausgestellt wurden seine Werke in Paris, New York (MoMA), Los Angeles, Washington, Montreal, Moskau, Sankt Petersburg, Tbilisi.


Karlo Katscharawa (1964-1994) Maler, Dichter, Kunstkritiker, Essayist.  Für sein Beitrag in der Geschichte der Kunstwissenschaften wurde mit dem Staatspreis der Chubinashvili ausgezeichnet. Karlo Katscharawa studierte Kunstwissenschaften an der Staatlichen Kunstakademie in Tbilisi. 

Von 1986 bis zum Ende seines Lebens arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am George  Chubinashvili Forschungsinstitut für georgische Kunstgeschichte.

1984 Gründete er Künstlergruppe „“Archivar“ und 1986 Gruppe „10. Etage“. Das waren die avantgardistischen Künstlergruppen, die Künstler arbeiteten mit ungewöhnlichen Materialien wie Eisen, Holz, Dispersionsfarben. Das waren die Künstler, die in Tbilisi die Performances und Happenings ins Leben gerufen haben.


Karlo Kacharawa Fotos: Lika Kacharawa
Karlo Kacharawa Fotos: Lika Kacharawa

Das Werk Karlo Katscharawas ist entscheidend beeinflusst von den Malern des deutschen Expressionismus und von den Künstlern der neoexpressionistischen deutschen Kunstrevolution der achtziger Jahre in Köln und Berlin. Katscharawa notiert deutsche Wörter auf seinen Bildern. Er zitiert Joseph Beuys, Jörg Immendorf, August Macke, Ludwig Kirchner, Karl-Horst Hödicke. 

Die deutsche Sprache brachte er sich aufgrund der Fassbinder-Filme selbst bei. 

Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er etwa vierzig wissenschaftliche Arbeiten und Artikel; er war ein aktiver Teilnehmer an Ausstellungen. Sein Erbe umfasst bis 1000 farbige und 3.700 grafischen Arbeiten. 

Merab Abramishvili (1957–2006) ist ein Vertreter der zeitgenössischen Kunst Georgiens. Seine besondere Umgangsweise mit der georgischen Ikonografie - des für Georgien besonderen kulturellen Erbes - zeichnet sich aus durch eine Transformation des ikonografischen in eine neue Inbeziehungsetzung desselben im Kontext zeitgenössischer Bildkünste. Die außergewöhnliche Technik, die Abramischwili verwendet, ist eine traditionell lefkadische Verarbeitungsweise von Fresken. Die Ausführung entsteht dabei auf Holz, wobei die Grundierung mittels Kreide und Holzleim gelegt wird. Erst im nächsten Schritt trägt der Maler die ersten Temperaschichten auf. Diese werden jedoch immer wieder durch ein Abspülen der letzten Schicht abgetragen und wieder neu aufgeschichtet. Den Schlussfirnis legt der Maler durch Eigelb fest. Diese äußerst aufwendige und technisch ausgereifte Verfahrensweise verleiht der Arbeit eine besondere freskoartige Note.

Merab Abramishvili | Fotos: Gia Chkhatarashvili
Merab Abramishvili | Fotos: Gia Chkhatarashvili

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